Manchmal fragt man sich schon, was uns all die Jahre gelehrt haben. In meiner Heimatstadt wurde vor kurzem ein Mord begangen. Da es der Polizei an beweisen mangelt, wurde die Bevölkerung aufgerufen „Freiwillig“ ihre DNA Probe abzugeben. In zweifel ist halt einfach mal jeder angeklagt bis er das Gegenteil beweisst. Ich kannte diese Regel immer anders rum, aber das nennt man wohl Fortschritt.
Berufen zum Datenschutz habe ich natürlich dieses Promt abgelehnt, aber die defintion von „Freiwillig“ scheint wohl eher an die Farm der Tiere zu erinnern. Aufgrund der Nutzung meines Grundrechts habe ich erstmal Besuch von netten Herren bekommen (war nicht in Grün, aber trotzdem vom selben Verein). Auf die Utopische frage, was ich am XYZ getan hätte, kann ich natürlich nicht antworten (ich bin schon froh zu wissen, was ich gestern zum Mittagessen hatte) was die Kollegen nicht unbedingt erfreute. Auch auf das weitere drängen der Besucher habe ich weiterhin verweigert meine DNA zur persönlichen Entlastung und sie darauf verwiesen mir doch einen Gerichtsbeschluss zu unterbreiten falls sie unbedingt drauf bestehen würden. Die Argumentation das es ja wohl mein Recht ist, meine Daten für mich zu behalten hatte schlussendlich erstmal die Diskussion für den Abend beendet. Langfristig stelle ich mich jedoch auf einen Gerichtsbeschluss ein (was ich dann natürlich ausführlich hier Berichten werde) zur Abgabe meine DNA. Die nutzung des „guten Rechts“ ist manchmal doch nicht so gemeint. Universalschuldig sind alle die von ihrem Recht gebrauch machen.
Die Reaktion der Polizei ist für mich persönlich nicht verwunderlich, jedoch bin ich etwas erstaunt, dass doch wieder eine ganze Stadt innerhalb von kurzer Zeit dazu zu bewegen war auf ihr Persönlichkeitsrecht abzulegen. Das Medium der DNA Analyse ist ja noch ein relativ neues Kriminologisches Mittel, jedoch habe ich den Starken verdacht, dass unser „gutes Recht“ sich auf die Dauer zu unserem „Recht mit dringendem Tatverdacht“ entwickelt. Je mehr solcher Prüfungen stattfinden um so weicher wird die Hürde eine solches Medium zu nutzen. Wenn es bei Mord funktioniert, warum nicht auch bei Vergewaltigungen. Wenn es bei Vergewaltigungen geht, warum nicht auch bei der Überführung von Bankräubern / Feuerteufeln oder Tempo Sündern (auch wenn der Fall etwas abstrakt wird
). Meiner Meinung nach muss eine klare Abtrennung gezogen werden. Nicht jeder Zweck billigt alle Mittel (Terror Prävention wäre auch ein wunderbares Todschlagargument welches wird noch aus der Bush Regierung gut kennen). Laut offizieller aussage wurde in dem Gütersloher DNA Untersuchung bis auf wenige ausnahmen der Test von allen durchgeführt. Ein simples offizielles anschreiben reichte bei den meisten aus. Spätestens bei der Persönlichen Befragung brachen die letzten „Querolanten“ weg. Mir persönlich zeigt es nur wie wenig ausgeprägt das durchsetzungsvermögen der Bevölkerung ist, wenn es für einen offensichtlichen guten Zweck geht. Ich denke, dass der soziale Druck des Staates noch immer ungebrochen ist und wir Blind befolgen was uns aufgetragen wird. Haben wir durch unsere nationalistische Vergangenheit nicht gelehrt selbst zu entscheiden? Würden wir eine Stasi wieder zustimmen, nur weil wir einen Grund finden würden dieses gut zu heissen? Ist der Mensch überhaupt lernfähig?
Big Brother is watching and no one cares






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